THC Gehalt messen: Label Claim vs. Real-THC Angabe bei Medizinalcannabis

Kennst du das Gefühl? Du nimmst dein Medizinalcannabis wie gewohnt ein – gleiche Sorte, gleiche Dosierung – und trotzdem fühlt es sich diesmal anders an. Vielleicht etwas stärker, vielleicht etwas milder. Und du fragst dich: „Habe ich mir das nur eingebildet oder stimmt da etwas mit dem Produkt nicht?“

Genau solche Momente erleben viele Patient:innen in der Therapie mit Medizinalcannabis. Und sie sind völlig verständlich – denn auf den ersten Blick wirkt es so, als müsste ein Produkt immer exakt gleich stark sein.

In der Realität spielen jedoch zwei verschiedene Angaben eine Rolle, die oft miteinander verwechselt werden: der Label Claim auf der Verpackung und der tatsächlich gemessene THC-Gehalt einer konkreten Charge. Und genau hier beginnt die eigentliche Erklärung für diese scheinbaren Unterschiede.
Cannabis

Real THC

Unter der Real-THC-Angabe versteht sich der analytisch ermittelte Wert an Cannabinoiden und deren Konzentration einer Charge. Konkret bedeutet das:
  • der Charge wird eine repräsentative Probe entnommen
  • die Probe wird durch ein zugelassenes Testverfahren (meist HPLC) auf Cannabinoide und deren Gehalt analysiert
Lable

Label Claim

Als Label-Claim wird die auf Etiketten, CoA’s (Certificate of Analysis) und Datenblättern ausgewiesene THC-Angabe verstanden. Dieser wird vom Hersteller festgelegt, ist demnach ein bestimmter, kein analysierter Wert. Aus den analisierten Messergebnissen wird der Label Claim abgeleitet. Erst durch die Chargenfreigabe im GMP System wird der Wert relevant. Die freigebende Person (Qualified Person, QP) bestätigt den Label Claim sowie das die Herstellung, Analytik und Dokumentation den Anforderungen entsprechen. Der Label Claim ist somit Teil der freigegebenen pharmazeutischen Spezifikation.

Abweichungen Real-THC zur Deklaration

Medizinalcannabis ist ein Naturprodukt und daher von Natur aus schwankend. Faktoren wie Anbauort, Klima, Nährstoffe, Erntezeitpunkt, Verarbeitung und Lagerung können den THC- und Terpengehalt beeinflussen. Zusätzlich wird der Gehalt immer nur anhand einer repräsentativen Teilprobe einer Charge bestimmt, sodass Unterschiede durch die Probenahme oder ungleichmäßige Verteilung der Wirkstoffe entstehen können.

Deshalb sind keine exakten Einzelwerte möglich, sondern ein Toleranzbereich von etwa ±10 % üblich (90–110 %), wie er in der Ph. Eur. Monographie „Cannabis Flower“ (3028) festgelegt ist. Entscheidend für die medizinische Nutzung ist, dass die Werte chargenbezogen belegt sind, auf standardisierten Analysen beruhen und im Rahmen eines GMP- und QP-geprüften Freigabeprozesses ermittelt werden.
Wichtig
  • Beispiel:

  • Wurde eine Blüte mit 21,0% THC gemessen, darf der Hersteller den Label-Claim im Toleranzbereich von 90-110% bestimmen. Konkret liegt der Toleranzbereich zwischen 18,9 - 23,1%, somit kann der Hersteller einen Label-Claim zwischen 19/1 und 23/1 bestimmen.

Wie wird der THC-Gehalt in Cannabis bestimmt?

Damit der THC- und CBD-Gehalt zuverlässig angegeben werden kann, wird jede Charge in einem standardisierten Laborverfahren untersucht. Der Prozess läuft in fünf Schritten ab:

1. Quelle:

Das Cannabis stammt aus einer definierten Charge einer bestimmten Anbauregion oder eines Herstellers. Jede Charge ist vollständig rückverfolgbar.

2. Probeentnahme:

Aus der gesamten Lieferung wird nicht alles getestet, sondern eine repräsentative Teilprobe entnommen. Diese soll den Durchschnitt der gesamten Charge möglichst genau widerspiegeln.

3. Probenvorbereitung:

Die Probe wird im Labor vorbereitet und homogenisiert (also gleichmäßig vermischt), damit alle Inhaltsstoffe gleich verteilt sind. Nur so kann ein verlässlicher Durchschnittswert bestimmt werden.

4. Laboranalyse:

Die eigentliche Messung erfolgt mit einem hochpräzisen Verfahren namens HPLC (High Performance Liquid Chromatography). Dabei werden die Cannabinoide getrennt und exakt gemessen. Wichtig dabei:
  • THC wird als „Total THC“ angegeben
  • CBD als „Total CBD“
  • „Total“ bedeutet, dass auch die inaktiven Säureformen (z. B. THCA) mit eingerechnet werden, da sie sich im Körper teilweise in die aktive Form umwandeln.

5. Ergebnis:

Am Ende entsteht ein Laborwert für die gesamte Charge. Dieser gibt an, wie viel THC und CBD im Durchschnitt enthalten sind, nicht nur in einer einzelnen Blüte. Typische Ergebnisse sind:
  • Total THC
  • Total CBD
  • ggf. weitere Cannabinoide wie CBN


Standardisierung trotz pflanzlicher Variabilität

Die Versorgung mit Medizinalcannabis bewegt sich damit im Spannungsfeld zwischen natürlicher Variabilität und pharmazeutischer Standardisierung. GACP- und GMP-Vorgaben sowie weitere Qualitätsanforderungen sorgen dafür, dass pflanzliche Produkte trotz biologischer Unterschiede möglichst reproduzierbar und kontrolliert bereitgestellt werden.

Die Primäranalytik erfolgt bereits vor der Freigabe durch qualifizierte Labore und umfasst neben dem THC-Gehalt auch Cannabinoidprofil, mikrobielle Qualität, Trocknungsverlust (LOD), Fremdbestandteile sowie mögliche Verunreinigungen wie Schwermetalle, Pestizide oder Lösungsmittelreste.
Wichtig
  • Wichtig:

  • Trotz natürlicher Schwankungen bleiben die Ergebnisse innerhalb definierter Spezifikationen, sodass der Label Claim die geprüfte Durchschnittsqualität der gesamten Charge zuverlässig widerspiegelt.

Fazit

Am Ende zeigt sich: Die angegebenen Werte auf dem Etikett sind eine wichtige Orientierung – aber sie erzählen nicht die ganze Geschichte. Entscheidend ist immer die Realität der jeweiligen Charge, die analytisch geprüft wurde. Kleine Abweichungen zwischen Label Claim und Real THC sind daher kein Fehler, sondern Teil eines kontrollierten pharmazeutischen Prozesses.

Für Patient:innen bedeutet das vor allem eines: Wirkungsschwankungen sind nicht automatisch ein Zeichen für ein „anderes“ oder „schlechteres“ Produkt, sondern oft die Folge natürlicher und regulatorisch zulässiger Spannbreiten. Wer diesen Unterschied versteht, kann seine Therapie besser einordnen – und geht mit mehr Sicherheit und Vertrauen in die eigene Medikation.
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