Dronabinol in Kapseln

Was ist Dronabinol – und warum ist es mehr als nur THC in Kapselform?

Wer sich zum ersten Mal mit dem Thema Cannabis als Medizin beschäftigt, stößt früher oder später auf einen Begriff, der zunächst verwirrend erscheint: Dronabinol. Ist das Haschisch in Kapselform? Ein harmloses Nahrungsergänzungsmittel? Oder ein hochwirksamer Wirkstoff, den man besser nicht unterschätzen sollte?

Die Antwort ist differenzierter, als viele erwarten. In Deutschland ist Dronabinol kein neues Phänomen: Es wird seit den 1990er Jahren als Rezepturarzneimittel eingesetzt, und seit der Gesetzesänderung von 2017 hat das Thema Cannabis als Medizin erheblich an Bedeutung gewonnen. Heute verschreiben Tausende Ärzte Dronabinol an Patientinnen und Patienten mit ganz unterschiedlichen Erkrankungen.
HINWEIS
  • Hinweis:
  • Dronabinol ist kein Mittel zur Selbstmedikation. Die Dosierung muss zwingend vom behandelnden Arzt individuell festgelegt werden. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
Dronabinol in Kapseln

Was ist Dronabinol – und was unterscheidet es von Cannabis?

Dronabinol ist der internationale Freiname (INN) für synthetisch hergestelltes Delta-9-Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Es ist damit der chemisch identische Wirkstoff, den man auch in der Cannabispflanze findet – allerdings wird er im Labor hergestellt. Im Gegensatz zu Cannabisblüten oder -extrakten enthält Dronabinol ausschließlich diesen einen Wirkstoff, kein Cannabidiol (CBD), keine anderen Cannabinoide, keine Terpene, keine Pflanzenwachse.

Pflanzliches medizinisches Cannabis dagegen ist ein komplexes Gemisch aus Hunderten von Substanzen. Neben THC und CBD finden sich dort weitere Cannabinoide wie CBN oder CBG sowie ätherische Öle und Flavonoide, die gemeinsam den sogenannten Entourage-Effekt erzeugen sollen – also eine Wirkungsverstärkung durch das Zusammenspiel verschiedener Inhaltsstoffe. Ob dieser Effekt klinisch relevant ist, wird in der Forschung noch diskutiert. Dronabinol hingegen ist standardisiert, was Dosierung und Vorhersagbarkeit der Wirkung erleichtert.

Wichtig
  • In Deutschland ist Dronabinol in der Apotheke als Rezepturarzneimittel erhältlich. Es wird auf Basis einer ärztlichen Verschreibung nach dem Arzneibuch individuell hergestellt – als Kapseln oder als ölige Tropfenlösung. Das in den USA zugelassene Fertigarzneimittel Marinol® ist hierzulande nicht zugelassen, aber aus der Fachliteratur bekannt. Das BfArM führt Dronabinol als verkehrsfähigen und verschreibungsfähigen Stoff nach Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes (BtMG).

Wie wirkt Dronabinol im Körper?

Dronabinol wirkt über das Endocannabinoid-System – ein körpereigenes Netzwerk aus Rezeptoren, das an der Regulierung von Schmerzwahrnehmung, Appetit, Stimmung, Schlaf und Entzündungsreaktionen beteiligt ist.

Die zwei wichtigsten Andockpunkte sind die CB1-Rezeptoren, die vor allem im zentralen Nervensystem sitzen – also Gehirn und Rückenmark – und die CB2-Rezeptoren, die sich hauptsächlich im Immunsystem und in peripheren Geweben finden. THC bindet an beide Rezeptortypen und ahmt damit die Wirkung körpereigener Cannabinoide wie Anandamid nach.

Das erklärt, warum Dronabinol so viele verschiedene Symptome beeinflussen kann: von Schmerz bis hin zu Appetitverlust.

Bei welchen Krankheiten wird Dronabinol eingesetzt?

In Deutschland ist Dronabinol als Rezepturarzneimittel kein klassisches Fertigarzneimittel mit festgelegter Zulassung nach AMG. Da es sich um eine individuelle Zubereitung handelt, gelten andere Regelungen. Der Einsatz stützt sich auf die Betäubungsmittelverschreibungsverordnung (BtMVV) sowie – seit 2017 – auf § 31 Abs. 6 SGB V, der gesetzlich Versicherten unter bestimmten Bedingungen Anspruch auf Versorgung mit Cannabinoiden gibt.


In der Praxis werden folgende Indikationen am häufigsten behandelt:

Dronabinol Wirkung
Chronische Schmerzen stellen das weitaus häufigste Einsatzgebiet dar. Besonders bei neuropathischen Schmerzen, Tumorschmerzen und Schmerzen bei Multipler Sklerose greift man auf Dronabinol zurück, wenn andere Therapien nicht ausreichend wirken.
Chemotherapieinduzierte Übelkeit und Erbrechen (CINV) sind historisch die älteste Indikation. In den USA war Marinol® bereits 1985 dafür zugelassen. Auch hierzulande gilt Dronabinol bei refraktärer CINV als therapeutische Option, insbesondere wenn 5-HT3-Antagonisten nicht ausreichend helfen.
Appetitsteigerung bei HIV-assoziierter Kachexie und bei Tumorpatienten mit ungewolltem Gewichtsverlust ist ebenfalls eine etablierte Anwendung, auch wenn die Datenlage heterogen ist.
Dronabinol Wirkung
Spastik bei Multipler Sklerose wird in Deutschland eher mit dem Cannabisextrakt Nabiximols (Sativex®) behandelt, kann aber auch mit Dronabinol angegangen werden.
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Schlafstörungen, PTBS, Angststörungen und weitere psychiatrische Erkrankungen werden zunehmend Off-Label behandelt.
HINWEIS
  • Hinweis Off-Label-Einsatz
  • Bei psychiatrischen Erkrankungen wie PTBS oder Angststörungen ist die Evidenzlage deutlich dünner als bei Schmerz oder CINV. Ärzte müssen hier besonders sorgfältig abwägen. Gleichzeitig können bestimmte psychiatrische Vorerkrankungen eine Gegenanzeige darstellen. :

Darreichungsformen: Kapseln oder ölige Tropfen?

Die beiden wichtigsten Formen sind die Dronabinol-Kapseln (NRF 22.7., Stärken 2,5 mg, 5 mg oder 10 mg) und die öligen Dronabinol-Tropfen 25 mg/ml (NRF 22.8.). Beide werden in der Apotheke individuell hergestellt und enthalten Dronabinol in mittelkettigen Triglyceriden (MCT-Öl) oder ähnlichen Trägerstoffen.

Dronabinol-Kapseln enthalten eine exakt definierte Menge THC, häufig 2,5 mg pro Kapsel. Sie werden oral eingenommen und wirken nach etwa 30 bis 90 Minuten. Der Wirkungseintritt ist langsamer als bei inhalierten Formen, dafür aber gleichmäßiger und länger anhaltend. Die Handhabung ist einfach, die Dosierung genau – allerdings kann die Aufnahme je nach Mageninhalt und Stoffwechsel variieren.

Ölige Dronabinol-Tropfen werden in einer ölbasierenden Lösung verabreicht und über die Mundschleimhaut aufgenommen. Sie erlauben eine feinstufigere Dosierung, was besonders in der Eindosierungsphase hilfreich ist. Ein Tropfen aus einem Standard-Tropfeinsatz enthält typischerweise ca. 2,5 mg THC – allerdings schwankt das herstellungsbedingt, weshalb die genaue Konzentration auf dem Rezept angegeben sein muss. Der Wirkungsbeginn kann etwas schneller sein als bei Kapseln, den Geschmack empfinden manche Patienten allerdings als unangenehm.
Wichtig
  • Gut zu wissen:
  • Welche Form besser passt, hängt von der Erkrankung, dem Alltag und der persönlichen Empfindlichkeit ab. Sprich deinen Arzt oder die Apotheke auf eine individuelle Empfehlung an.
Dronabinol Dosierung

Die Dosierung – und was „Titration" bedeutet

Die Dosierung von Dronabinol ist hochindividuell und erfordert Geduld. Das Prinzip: mit einer sehr niedrigen Dosis starten und diese über Wochen langsam steigern, bis die therapeutische Wirkung eintritt. Laut der Gebrauchsinformation für die öligen Tropfen gelten folgende Anhaltspunkte:
  • Appetitanregung: 2-mal täglich 2,5 mg
  • Chemotherapieinduzierte Übelkeit: 5–20 mg pro Gabe, erste Dosis 1–3 Stunden vor der Chemo, dann alle 2–4 Stunden, maximal 6 Gaben pro Tag
  • Schmerz und Spastik (z. B. bei MS): 2,5–10 mg pro Tag, aufgeteilt auf 2–3 Gaben

Die DGS-Leitlinie nennt eine therapeutische Dosis von 5–20 mg pro Tag, bei älteren Patienten oft nur 10 mg pro Tag – in Einzelfällen bis 40 mg möglich. Die Titration beginnt typischerweise mit 2,5 mg abends oder morgens und wird alle 1–3 Tage um 2,5 mg gesteigert, bis die gewünschte Wirkung bei minimalen Nebenwirkungen eintritt.

Die Einnahme erfolgt am besten vor oder mit einer fetthaltigen Mahlzeit, denn Fett verbessert die Aufnahme. Bei Schlafstörungen empfiehlt die DGS eher eine abendliche Gabe.
HINWEIS
  • Hinweis:
  • Die Dosierung muss individuell vom behandelnden Arzt festgelegt werden. Dieser Abschnitt dient ausschließlich der Information, nicht der Selbstmedikation.
Dronabinol Nebenwirkung

Welche Nebenwirkungen sind möglich?

Dronabinol kann – wie alle Arzneimittel – Nebenwirkungen haben. Häufige Beschwerden, besonders zu Beginn der Therapie, sind Schwindel und Benommenheit, Mundtrockenheit, Stimmungsveränderungen (Euphorie, aber auch Angst oder Paranoia), kurzfristige Gedächtniseinschränkungen, Herzrasen (Tachykardie) und eine Appetitsteigerung, die je nach Indikation erwünscht oder unerwünscht sein kann. Bei höheren Dosen oder empfindlichen Personen können auch stärkere psychische Reaktionen auftreten. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit psychiatrischen Vorerkrankungen.

Gegenanzeigen: Wer sollte Dronabinol nicht nehmen?

Dronabinol ist in folgenden Situationen kontraindiziert oder nur mit großer Vorsicht einzusetzen:
  • Schwere psychiatrische Erkrankungen, insbesondere Psychosen und Schizophrenie
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Schwere Herzerkrankungen
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Cannabinoiden
HINWEIS
  • Warnung
  • Dronabinol beeinträchtigt die Fahrtüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen. Sprich mit deinem Arzt, bevor du Auto fährst oder gefährliche Tätigkeiten ausübst.

Dronabinol vs. Cannabisblüten: Was ist der Unterschied für Patienten?

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Dronabinol ist rein, standardisiert und oral gut steuerbar – ideal für eine präzise Therapie und den Alltag. Cannabisblüten (inhaliert oder als Tee) wirken schneller, innerhalb von Minuten, und enthalten das volle Pflanzenprofil, was bei manchen den Entourage-Effekt verstärkt. Allerdings schwankt der THC-Gehalt in Blüten, die Dosierung ist schwieriger, und beim Inhalieren belastet man die Atemwege.
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In Studien und der Praxis zeigt sich: Dronabinol ist oft verträglicher und wirtschaftlicher bei niedrigen Dosen, während Blüten bei Bedarf nach schneller Wirkung oder höheren Dosen vorgezogen werden. Viele Patienten kombinieren beide Formen oder wechseln je nach Bedarf. Hier sieht dieDGS-Leitlinie keinen generellen Vorteil des Vollspektrums, betont aber die individuelle Passung.

Der Weg zum Rezept in Deutschland

Dronabinol darf ausschließlich auf einem Betäubungsmittelrezept (BtM-Rezept) verordnet werden – und das nur durch einen approbierten Arzt. Es gibt keine Beschränkung auf bestimmte Fachrichtungen, in der Praxis sind es aber häufig Schmerztherapeuten, Neurologen, Onkologen oder auf Cannabismedizin spezialisierte Praxen.

Der Weg läuft in der Regel so ab:
  • Erstgespräch mit dem Arzt – Schilderung der Beschwerden, Vorbehandlungen und bisherigen Therapieversuche
  • Medizinische Prüfung der Indikation
  • Ausstellung des BtM-Rezepts durch den Arzt
  • Einlösung in einer Apotheke, die das Medikament als Rezeptur herstellt
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Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?

Das ist eine der häufigsten – und leider auch eine der kompliziertesten – Fragen rund um Dronabinol.

Grundsätzlich gilt: Gesetzlich Krankenversicherte können seit dem Cannabis-als-Medizin-Gesetz (2017) einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Die Krankenkasse darf den Antrag ablehnen, muss dies aber ausführlich begründen. Die Kosten werden eher übernommen, wenn eine schwerwiegende Erkrankung vorliegt, alternative Therapien ausgeschöpft oder unverträglich sind, ein ärztliches Gutachten die Notwendigkeit belegt und der MDK zustimmt.

Die Kosten für Dronabinol variieren je nach Darreichungsform und Dosis. Kapseln liegen je nach Packungsgröße häufig im Bereich von 100 bis 500 Euro pro Monat. Privatversicherte klären die Erstattung individuell mit ihrer Versicherung.
Wichtig
  • Gut zu wissen:
  • Eine Ablehnung durch die Krankenkasse ist kein endgültiges Nein. Patienten haben das Recht, Widerspruch einzulegen – und in vielen Fällen ist er erfolgreich, wenn er gut begründet ist. Eine Beratung beim Sozialverband VdK oder ähnlichen Stellen kann dabei helfen.

Die Wechselwirkungen: Was verträgt sich nicht mit Dronabinol?

Dronabinol wird hauptsächlich über das Enzym CYP3A4 in der Leber metabolisiert. Alle Substanzen, die dieses Enzym hemmen oder aktivieren, können die Wirkung von Dronabinol verstärken oder abschwächen.

Besonders relevant sind Wechselwirkungen mit anderen ZNS-wirksamen Substanzen: Opioide, Benzodiazepine, Antihistaminika und Alkohol können in Kombination mit Dronabinol zu verstärkter Sedierung führen. Das ist im klinischen Alltag eine der häufigsten Problematiken. Patienten sollten ihren Arzt über alle eingenommenen Medikamente informieren – einschließlich pflanzlicher Präparate wie Johanniskraut, denn das kann über CYP3A4 die Wirkung von Dronabinol abschwächen.

Herzaktive Medikamente wie bestimmte Betablocker oder Antiarrhythmika sollten wegen der kardiovaskulären Effekte von THC (Tachykardie, Blutdruckschwankungen) mit Vorsicht kombiniert werden. Auch bei Patienten unter Antikoagulanzientherapie (z. B. Marcumar) kann eine Dosisanpassung notwendig werden, da Cannabinoide Einfluss auf Leberenzyme nehmen können, die den Metabolismus von Gerinnungshemmern beeinflussen.

Das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen gefährlicher Maschinen ist während einer Dronabinol-Therapie – zumindest in der Einstellungsphase – eingeschränkt oder verboten. Sprich das unbedingt mit deinem Arzt durch, denn es kann auch rechtliche Konsequenzen haben.
Fazit
  • Unser Fazit

  • Dronabinol hat sich als wertvolles, gut steuerbares Medikament im Arsenal der Cannabinoid-Therapie erwiesen. Es bietet präzise Wirkung über das Endocannabinoid-System, hilft bei einer Vielzahl schwerer Symptome und ist dank Rezepturformen flexibel einsetzbar. Im Vergleich zu Blüten punktet es mit Standardisierung und Verträglichkeit, auch wenn der Entourage-Effekt bei manchen Patienten fehlen kann. Es ist kein Wundermittel – aber eine echte Option, wenn Standardtherapien versagen.
  • Entscheidend bleibt die enge Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt. Jede Therapie ist individuell, und nur unter medizinischer Aufsicht kann das volle Potenzial bei minimalen Risiken ausgeschöpft werden.

Quellen

  1. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). (2024). Medizinisches Cannabis. BfArM.de. https://www.bfarm.de/DE/Bundesopiumstelle/Medizinisches-Cannabis/_node.html

  1. Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS). (2024). Cannabis in der Schmerzmedizin – Praxisleitlinie. Schmerzgesellschaft.de. https://www.schmerzgesellschaft.de/topnavi/patienteninformationen/leitlinien-zur-schmerzbehandlung

  1. Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung (BtMVV). (2018). Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung in der Fassung vom 20. Januar 1998, geändert 2. Juli 2018. Gesetze-im-Internet.de. https://www.gesetze-im-internet.de/btmvv_1998/

  1. Bundesgesundheitsministerium (BMG). (2024). Cannabis als Medizin – Fragen und Antworten. Bundesgesundheitsministerium.de. https://www.bundesgesundheitsministerium.de/service/begriffe-von-a-z/c/cannabis/faq-cannabis-als-medizin

  1. Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. (2015). Dronabinol (THC). Arbeitsgemeinschaft-Cannabis-Medizin.de. https://alternative-drogenpolitik.de/2015/10/25/dronabinol-kaufen-nur-mit-rezept-und-auf-eigene-kosten/

FAQ

Dronabinol ist der internationale Freiname für synthetisch hergestelltes Delta-9-THC, chemisch identisch mit dem Wirkstoff in der Cannabispflanze. Im Gegensatz zu Cannabisblüten enthält es ausschließlich THC, kein CBD, keine anderen Cannabinoide oder Terpene. Dadurch ist es standardisiert, was Dosierung und Wirkvorhersage erleichtert.

Dronabinol bindet an CB1- und CB2-Rezeptoren im Endocannabinoid-System und ahmt körpereigene Cannabinoide nach. Die CB1-Rezeptoren im Gehirn steuern Schmerzlinderung, Übelkeitshemmung und Appetitsteigerung, die CB2-Rezeptoren im Immunsystem beeinflussen Entzündungen.

Die häufigsten Einsatzgebiete sind chronische Schmerzen (neuropathisch, Tumorschmerzen, Multiple Sklerose), chemotherapieinduzierte Übelkeit und Appetitsteigerung bei HIV- oder Tumor-Kachexie. Spastik bei MS wird eher mit Nabiximols behandelt, kann aber auch mit Dronabinol angegangen werden. Psychiatrische Erkrankungen wie PTBS oder Angststörungen werden Off-Label behandelt – die Evidenz ist dort dünner.

Die Dosierung ist hochindividuell: Man startet niedrig (z. B. 2,5 mg) und steigert alle 1–3 Tage um 2,5 mg, bis die therapeutische Wirkung eintritt. Titration bedeutet genau dieses langsame Einschleichen über Wochen, um Nebenwirkungen zu minimieren. Die therapeutische Dosis liegt laut DGS-Leitlinie bei 5–20 mg pro Tag, bei älteren Patienten oft nur 10 mg.

Dronabinol wird ausschließlich auf Betäubungsmittelrezept von einem approbierten Arzt verschrieben, oft Schmerztherapeuten, Neurologen oder Onkologen. Gesetzlich Versicherte können seit 2017 Kostenübernahme beantragen, wenn die Erkrankung schwerwiegend und alternative Therapien ausgeschöpft sind. Die Kosten variieren zwischen 100 und 500 Euro pro Monat für Kapseln. Eine Ablehnung ist kein endgültiges Nein – der Widerspruch ist oft erfolgreich.

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