KHIRON:
Endometriose wird oft erst spät diagnostiziert und führt zu jahrelangen Schmerzen. Was erleben Betroffene aus deiner Sicht am häufigsten im Alltag?
Janosch Kratz:
„Häufig beginnen die Beschwerden mit zyklisch auftretenden
Schmerzen, die im Verlauf sowohl an Intensität als auch an Häufigkeit
zunehmen. Anfangs treten sie nur während der Menstruation auf,
später immer öfter, bis sie schließlich auch unabhängig vom Zyklus
bestehen können. Viele Patientinnen, die wir im Endometriosezentrum
der Charité sehen, haben dann bereits stark chronifizierte Schmerzen.
Typisch sind Schmerzen und Krämpfe im Unterbauch, oft kombiniert
mit Beschwerden beim Wasserlassen, beim Stuhlgang oder beim Sex.
Ein großes Problem ist außerdem, dass viele Frauen schwer
einschätzen können, was noch normaler Regelschmerz ist und was
nicht. Lange wurde das Thema Menstruation und die damit
einhergehenden Schmerzen tabuisiert, darüber wurde kaum
gesprochen.
Ich erinnere mich an eine Patientin, die sich das Schienbein
gebrochen hatte. In der Nachsorge sagte sie: „So schlimm war das gar
nicht. Wenn ich meine Tage habe, sind die Schmerzen meistens
schlimmer.“ Erst dadurch kamen wir ins Gespräch und am Ende konnte
bei der Patientin eine Endometriose diagnostiziert werden.“